Monopoly

 

Jeder Schüler hört im Unterricht früher oder später einmal etwas vom Stromkreislauf. Gleichstrom, Wechselstrom, Reihenschaltung, Parallelschaltung und Konsorten gilt es da, kennenzulernen. Wenn aber ein besonders schlauer Schüler im Physikunterricht von der Gleichschaltung zweier Glühbirnen zu sprechen beginnt, sind dem Lehrer allerdings flugs zwei Dinge klar: Zum einen wurden hier die Begriffe durcheinandergewürfelt, und zum anderen hat der Schüler hier tadellos erkannt, dass es sich um eine elektrische Schaltung handelt!

Wie in Uhrwerken, so auch in elektrischen Schaltungen funktionieren die Bauteile gemeinsam in bestimmter Weise, sodass sie zusammen eine Funktion erfüllen, die wir oftmals als nützlich beschreiben würden. Wendet man jedoch dieses Nützlichkeitsprinzip ferner ebenso auf zwischenmenschliche Beziehungen, oder gar die Gesellschaft im Ganzen, an, so degradiert man, vielleicht auch unbewusst, damit den Menschen vom Lebewesen zum Bauteil, ja gar zur Maschine! Die Frage “Wie nützlich sind Computer?” ist somit unproblematisch zu stellen, jedoch wäre “Wie nützlich sind die Arbeitnehmer für den Unternehmer?” ein Beispiel für eine durchaus fragwürdige Problembeschreibung.

In der deutschen Geschichte beobachtete man immer wieder Unterdrückung der Einwohner, und das Aufzwingen des Willens der Mächtigen war für die Normalbürger Alltag. In der Hitlerzeit kam es zum Beispiel zur Instrumentalisierung des Machtgefüges. Körperlich, geistig oder gesinnungsmäßig nicht für das System brauchbare Menschen wurden schlicht als Abfall deklariert und entsorgt! So sollte man aber ganz klar nur bei Gegenständen verfahren. Lebewesen an sich zu versächlichen, das ist hier das Übel an der Wurzel! Gegenstände behandelt man nämlich rigoros. Menschen brauchen, als Lebewesen, jedoch von Natur aus immer eine menschengerechte/menschenwürdige Behandlung!

Abseits jeglicher Ideologien können wir nun heute jedwede Konformisierung in unserer Gesellschaft deshalb in diesem Sinne ebenfalls als ein Art von “Gleichschaltung” bezeichnen. Das Schubladendenken unterhält offenbar bereitwillig unterstützend eine enge Freundschaft zum Diktat! Macht und Manipulation können ohne große Strömungen und Strukturen in der Gesellschaft nicht existieren, und wenn jedermann nicht mehr “katholisch”, “deutsch”, “alt”, “Brillenträger” oder als sondergleichen gruppenzugehörig sich betrachten täte, wie könnte er dann noch mit dem groben Kamm einer Ideologie oder Machtausübungsstrategie herausgesiebt werden?

Nicht alles “über einen Kamm zu scheren”, so lautet eine Volksweisheit. Wenden wir dies einmal beispielhaft auf die Politik an, so finden wir, wie viele Regelungen und Ausnahmen es den Abgeordneten eigentlich so gut wie unmöglich machen, dem eigenen Verstand und Gewissen entsprechend am Regierungsgeschehen teilzunehmen! Liegt da etwa de facto die Verantwortung für den Staat nur in der Hand von wenigen Machtpolitikern?

Ludwig XIV. war vor ein paar Jahrhunderten der Auffassung, er sei der Staat. Nach heutiger Auffassung ist die Monarchie dagegen überholt. Das liegt vor allem am Aufkommen der modernen Demokratie in Europa! Dennoch hat sich bis jetzt in vielen, an sich als demokratisch bezeichneten, Staaten eine Praxis durchgesetzt, welche das aktive Regieren eher wenigen Machtpersonen überlässt. Zudem hat sich gezeigt, dass Politiker sehr leicht austauschbar sind. Damit ist u.a. gewährleistet, dass einflussreiche Geschäftsimperien, ganz gemäß der Funktionsweise eines Stromkreises, ihnen gegenüber unwillig gesonnene politische Zeitgenossen mit Leichtigkeit ins Abseits manövrieren können!

Unser gesellschaftliches Gefüge ist somit undurchschaubar wie ein Spinnennetz. Das Volk wählt Politiker, ohne sie gut zu kennen. Diese wiederum walten ihres Amtes, solange sie den Mächtigen dienlich sind. Letztlich manipulieren sich die Mächtigen im Hintergrund dazu auch noch gegenseitig! Wer soll da denn überhaupt noch durchblicken können?

Trotzdem wäre es falsch, sich einfach bereitwillig am Kanon des einheitlichen Gleichmachens zu beteiligen. Sind wir nicht alle mehr als bloße Figuren mit Namen Bäcker, Schuster, Schreiner usw., wie in einem Brettspiel?

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